Winter ade! GRÜNE Kreisräte fordern stärkere Ausrichtung auf Ganzjahrestourismus im Erzgebirge

Klimawissenschaftler prognostizieren schon seit Längerem und auch sehr übereinstimmend, dass bedingt durch den Temperaturanstieg in Höhenlagen unterhalb von 1500 bis 1800 m in wenigen Jahren kein wirtschaftlicher Betrieb von Skigebieten mehr möglich sein wird. Zu diesen Ergebnissen gelangte unter anderem auch die 2014 beendete INTERKLIM-Studie, die speziell den Klimawandel im sächsisch-böhmischen Grenzraum untersuchte.

Natürlich wird es auch künftig im Erzgebirge noch kalte und schneereiche Winter geben, aber die Wahrscheinlichkeit für ausreichenden, natürlichen Schneefall sinkt mit jedem Jahr.

Bliebe noch die Möglichkeit, sich mit technischen Lösungen den Winter „zu kaufen“. Viele angestammte Wintersportorte meinen daher, verstärkt den Ausweg in der sogenannten Beschneiungsklimatologie finden zu müssen, die den Schnee planbar und buchbar machen soll. Neben dem hohen Energie- und Wasserverbrauch gefährdet die künstliche Beschneiung von Skipisten jedoch das ökologische Gleichgewicht der Landschaft auch über die Saison hinaus. Zudem erfordert der Betrieb von Schneekanonen Temperaturen von minus 3 bis minus 4 Grad Celsius, die in den kommenden Jahren immer weniger gegeben sein werden. Die zunehmende Häufigkeit milder Winter macht mit dem Einsatz von Beschneiungsanlagen auch deren Refinanzierung immer unsicherer. Mit Schneekanonen gegen den Klimawandel anzukämpfen, ist ressourcenintensiver Luxus und kommt einem „Salto mortale“ in die Vergangenheit gleich. Kommunen, die diesen Weg gehen, bauen also dem Klimawandel nur hinterher.

Insofern stellen sich für uns GRÜNE jegliche weitere Ski-Investitionen bzw. auch Investitionsanreize der öffentlichen Hand im Erzgebirge als Fehlinvestitionen dar, die sowohl eine ökologische als auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit vermissen lassen. Das gilt auch für angedachte zusätzliche Liftanlagen auf dem Fichtelberg. Die finanziellen Risiken trägt ohnehin jeder Steuerzahler.

In der bereits erwähnten INTERKLIM-Studie wird unter der Rubrik „Wintertourismus und Klimawandel“, die speziell auch den Fichtelberg im Fokus hat, ausgeführt, dass „ausgehend von einer durch Klimamodelle projizierten Erwärmung ein Wechsel von stark witterungsabhängigen Angeboten zu einem verstärkt diversifizierten touristischen Angebot unvermeidlich erscheint“.

Die veränderten Schnee- und Temperaturbedingungen, einhergehend mit fehlender Schneesicherheit in unseren klassischen Wintersportregionen, führen natürlich zu großen Einbußen und Verwerfungen in der Tourismusbranche. Aus diesem Grund sind entsprechende Anpassungsaktivitäten überfällig, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt und ein Rückgang von Beschäftigungsverhältnissen vermieden wird.

Die INTERKLIM-Studie spricht in diesem Zusammenhang davon, dass das „Problembewusstsein der touristischen Basis eine wichtige Grundlage zur erfolgreichen Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen ist“. Doch laut Befragungen von INTERKLIM negieren bisher viele im Geschäftsfeld Tätigen einen Anpassungsdruck, da „sie wissenschaftliche Fakten meist mit großer Unsicherheit betrachten“, was u. a. auch durch „die von Massenmedien vermittelten Scheindebatten zwischen Befürwortern und Skeptikern des anthropogenen (von Menschen verursachten) Klimawandels“ zurückzuführen ist. Die Erkennung des Problems jedoch ist Voraussetzung dafür, alle Anstrengungen und Motivationen in den Ganzjahrestourismus fließen zu lassen.

Dazu sind moderne Konzepte und zeitgemäße Angebote für Erholungssuchende, Familien und Wanderer gefragt. Authentizität, Naturnähe und Ursprünglichkeit sind in den Augen der GRÜNEN Kreisräte wichtige, zukunftsträchtige Aspekte, um das Urlaubsziel ERZGEBIRGE aufzusuchen. Angebote wie die des Naturpädagogen Michael Schubert aus Waldkirchen (www.naturwaerts.com), das Haus der Kammbegegnungen in Rübenau (www.kammbegegnungen.de) oder die Naturherberge in Affalter (www.naturherberge.de) zeigen den richtigen Weg.

Ein zukunftsfähiger Tourismus in unserer Mittelgebirgsregion ist auf eine intakte Natur ebenso angewiesen wie auf eine klimaschonende Verkehrskonzeption.

Das Erzgebirge erscheint – obwohl mit einer Fülle an Natur- und Kulturschätzen ausgestattet – noch immer als ein „schlafender Riese“, der geweckt werden will. Positive Effekte versprechen wir uns, wenn das Erzgebirge im Sommer hoffentlich den Adelstitel der UNESCO, den Welterbetitel für sein montanhistorisches Erbe verliehen bekommt und dann auch für Touristen aus dem Ausland zunehmend attraktiver wird.

Noch haben wir genügend Eisenbahnen, die Gäste zur Anreise oder zu Entdeckungsfahrten nutzen können. Die Erzgebirgische Aussichtsbahn konnte vorerst gerettet werden. Unser Radwegenetz weist noch große Lücken auf, aber ein guter Anfang scheint gemacht. Besonders für E-Biker muss das Erzgebirge noch attraktiver werden, mehr Ausleihstationen und E-Tankstellen sind da vonnöten. Unsere Region hat eine vielfältige Kirchen- und Profanarchitektur zu bieten, besitzt zahlreiche Klangkörper für Konzerterlebnisse aller Genres. Eine sogenannte „Funparkisierung“ brauchen wir nicht.

Wir GRÜNE sind davon überzeugt, dass das Erzgebirge mit einer konsequenten Ausrichtung und Bündelung aller touristischen Aktivitäten mit nachhaltigem Ansatz dieser Zukunftsaufgabe gewachsen sein wird und damit zu einem international wahrgenommenem Urlaubs- und Reiseziel aufsteigen kann – das Potenzial für einen florierenden Ganzjahrestourismus ist jedenfalls gegeben.

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Fichtelberg, Mitte Februar 2016

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